Wenn Corona Pause macht…

In der letzten Woche mussten die Kinder die Tage zählen, die sie seit Schulschließung schon zuhause sind. Wir haben die Wochenenden mitgezählt, denn irgendwie ist da kaum Unterschied zu den Wochentagen, und landeten bei 75 Tagen. 75 Tage, in denen die Kinder ihre Freunde kaum und wenn nur auf der Straße gesehen haben. 75 Tage, in denen wir fast 24 Stunden ununterbrochen aufeinander gehockt haben. 75 Tage, in denen auch wir Erwachsenen kaum andere Menschen getroffen haben, da unsere beiden Jobs zu uns ins Homeoffice gezogen sind. Doch genau diese 75 Tage mit allem Abstand und allem Nichttreffen von Freunden, Bekannten, Kollegen schenkten uns die Möglichkeit, am letzten Wochenende Corona mal in die Pause zu schicken. Denn weil wir so lange auf möglichst großem Abstand zu anderen gelebt haben und noch immer leben, beschlossen wir, den Kindern 4 Tage Urlaub bei Oma und Opa zu schenken. 4 Tage in einem anderen Umfeld, 4 Tage in einem riesigen Garten mitten auf dem Land, vier Tage ohne Eltern. Sie sagten uns zum Abschied noch nicht einmal „Tschüss“, sondern waren gleich in den Tiefen des Gartens verschwunden. Wir Eltern fuhren zurück in unser kleines Reihenhaus, räumten auf, genossen Zeit zu zweit, und trafen das erste Mal seit Wochen Freunde – draußen – mit Abstand. Von unseren Kindern hörten wir nahezu nichts. Immer ein gutes Zeichen. So war es auch. Als wir am Dienstag zu den Großeltern fuhren, um die Kinder wieder abzuholen, fanden wir sie lachend, tobend und ausgelassen im Gartenparadies meiner Kindheit. Hier spielte Corona gerade keine Rolle. Hier konnten sie einfach Kind sein mit allem, was dazu gehört. Wohl deshalb wurden wir begrüßt mit den Worten: „Ihr könnt gleich wieder fahren und uns morgen abholen.“ Also blieben wir länger als geplant wohl wissend, dass die Kinder auf der Rückfahrt im Auto schlafen würden und das Insbettgehen sich an diesem Abend weit in den Abend ziehen würde. Aber hier in diesem Gartenparadies waren sie so glücklich, dachten nicht eine Minute an das, was ihnen in den vergangenen Wochen so Angst gemacht hatte. Ich habe mich dann einfach auf eine Gartenbank gesetzt und ihnen zugeschaut. Dabei erwachten in mir die Erinnerungen an meine Kindheit in diesem kleinen Gartenparadies, in dem an Sommertagen die Wirklichkeit einfach an der Gartenpforte zurück gelassen wurde. Ich sah Jungvögel aus ihren Nestern fliegen, beobachtete Hummeln und Bienen und begutachtete erste Erdbeeren. Die Zeit schien wie früher still zu stehen. Hier hatte Coroana Pause. Irgendwann war es dann doch Zeit, die Sachen zu packen und aufzubrechen. Seither schwingt in mir wieder jede Menge Landweh mit – Sehnsucht nach einem Leben auf dem Land, so richtig Land, nicht nur Stadtrand. Dazu ein Gartenparadies, in dem man die Wirklichkeit an der Gartenpforte zurücklässt und alles andere Pause hat, nur das Lachen, das Spielen, das Toben nicht. Dieses Landweh wird immer größer und immer konkreter. Ich werde es wohl irgendwann stillen müssen… Wonach habt ihr Sehnsucht? Und habt ihr Orte oder Zeiten, an denen Corona auch bei euch Pause macht? Erzählt doch mal in den Kommentaren davon. Ich bin da ja dezent neugierig…