Die Zeit vergessen…

Wir sind im Urlaub. An der Ostsee. Die Hälfte der Zeit ist um und so langsam sind wir alle angekommen. Woran ich das merke? Bei mir daran, dass es diesen Moment gibt, in dem ich denke, wir sind schon ewig hier und werden noch ewig bleiben. Plötzlich spielt Zeit keine Rolle mehr. Wir stehen später auf, frühstücken länger. Hasten nicht durch den Alltag, sondern schlendern durch die Straßen. Haben Zeit und Ruhe, in ein Café zu gehen und lange sitzen zu bleiben. Und abends? Da sitzen wir lange zusammen, müssen nicht noch zig Dinge im Haushalt oder für die Arbeit erledigen. Wir sitzen einfach auf dem Sofa und schauen fern. In diesem Jahr fällt mir auf, dass das mittlerweile wohl auch für die Kinder gilt. Bis sie in die Schule kamen, war Zeit keine Größe für sie. Sie lebten in den Tag hinein, auch wenn es in den Kindergarten ging. Jetzt aber zählen die Zahl der Unterrichtsstunden, die Sporttermine und Verabredungen mit Freunden. Alles das, was hier im Urlaub so weit weg ist. Und plötzlich vergessen sie wieder die Zeit, sind erstaunt, wie lange sie geschlafen haben, können lange mit uns am Tisch sitzen oder mitten am Tag in ihre Phantasiewelten abtauchen. Heute am Strand ist es mir besonders bewusst geworden. Vor ein paar Tagen hat es gestürmt. Der Strand liegt voller Seegras, Muscheln und Steine. Es gibt viel zu entdecken. Und während mein Sohn mir eine Muschel nach der anderen zeigt und gestrandete Quallen zu retten versucht, schlendert die Tochter an der Wasserkante entlang, merkt gar nicht, dass sie uns weit vorausgelaufen ist. Sie ist ganz in ihrer Welt versunken, hat die Zeit vergessen und auch alles andere um sich herum. Ich beobachte sie. Ihr Anblick berührt mich. Sie ist im Urlaub angekommen, denke ich. Irgendwann sieht sie sich um, entdeckt mich in der Ferne, winkt und lacht. Und der Zauber des Moments ist wieder vergangen. Zeit haben und die Zeit vergessen. Das ist für mich Urlaub. Und wie ich heute gelernt habe, auch für die Kinder. Der Ort, wo das geschieht, ist nicht mehr ausschlaggebend. Auch Zuhause und ganz in der Nähe des Wohnortes ist das möglich. So wünsche ich mir und besonders auch meinen Kindern noch viele Momente, in denen sie die Zeit vergessen. Wie geht es dir? Vergisst du auch mal die Zeit und erschrickst du dich danach, wie spät es schon ist, oder fühlst du dich danach besser oder sogar erholt?