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#coronaelternerzaehlen

Heute ist ein guter Tag. Die Schulaufgaben liefen heute morgen nach vielen Kämpfen in den letzten Tagen richtig gut. Das verschafft Luft und macht auch den Rest des Tages angenehmer. So kann ich heute Nachmittag etwas arbeiten, während die Kinder mit dem Papa im Garten hantieren.

Aber es gibt auch andere Tage. Tage, in denen schon das Anfangen schwer fällt. In denen die ersten Tränen schon vor dem Homeschooling fließen. Und so teile ich die Tage in gute und schlechte Tage anhand des gemeinsamen Lernens am Morgen ein. Denn je nachdem wie es da gelaufen ist, wirkt sich das auf den Rest des Tages aus.

Die letzten Tage waren eher schlechter. Nach mehr als zehn Wochen waren wir am vergangenen Wochenende das erste Mal wieder bei den Großeltern. Wir haben uns alle wahnsinnig darauf gefreut und die Zeit entsprechend genossen – spielen im Garten, Erzählen, Lachen, eine Dusche unter dem Gartensprenger. Es war wie Urlaub. Montag dann folgte die pure Ernüchterung. Zurück am Esstisch, zurück im Homeschooling war Motivation ein Fremdwort. Verbunden mit der Frage, warum die Kinder das überhaupt machen, wenn sie es nur in ihren Mappen abheften, aber nicht bei der Lehrerin abgeben müssen. Sie haben keine Illusion darüber, dass in vier oder fünf Wochen, wenn der Unterricht für sie vielleicht wieder anläuft, ihre Lehrerin in der Lage sein wird, das alles noch anzuschauen und zu kontrollieren. Also sind sie der Meinung, dass es doch egal ist, ob sie die Arbeitsblätter ausfüllen oder nicht. Dass sie nicht für die Schule, die Lehrerin oder uns Eltern lernen. Dieser Satz ist geschenkt. Der hat doch zu unserer Zeit schon nicht funktioniert. Also haben wir uns gestern und vorgestern durchgekämpft durch nicht so gute Tage.

Parallel habe ich von der Aktion #coronaelternrechnenab gelesen und war schockiert über die Kommentare, die manche Menschen unter den Berichten zu dieser Aktion hinterlassen haben. Mit einem „so ist das, wenn man Kinder hat“ ist es da nicht getan. Auch mein Post über unseren Homeschooling-Wahnsinn hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst bis hin zu dem Erstaunen darüber, was diese Zeit für unsere Familie bedeutet. Ich habe gestern noch einmal neu verstanden, dass manche gar nicht ahnen, wie belastend diese Zeit für Familien sein kann. Ich will dabei gar nicht meckern oder jammern. Zahlreiche Bestimmungen, die über uns hereingebrochen sind, halte ich für äußerst sinnvoll. Und ich weiß auch, dass viele andere unter dieser Situation genauso leiden. Doch lässt mich der Eindruck nicht los, dass es gerade die Schwächsten unserer Gesellschaft sind, die unter den derzeitigen Bedingungen am meisten leiden. Mit den Schwächsten meine ich die, die keine finanzstarken Argumente und Fürsprecher haben, die nicht mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen drohen können oder übermäßig Steuern zahlen. Kinder, Kranke, Menschen mit Behinderung, Senior:innen…

Zwei von ihnen wohnen bei uns im Haus. Sie verstehen aufgrund ihres Alters noch wenig von den politischen Entscheidungen und den Dingen, die unsere Welt gerade bewegen. Aber sie haben Angst. Angst, die sich bei uns jeden Tag in Kopfschmerzen, Traurigkeit und einem komischen Gefühl im Bauch äußert und sich manchmal in unbändiger Wut Bahn bricht. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, sie in dieser Situation aufzufangen, zu begleiten, zu schützen, damit sie ihr Vertrauen in diese Welt nicht verlieren. Dafür sind wir als Eltern angetreten. Deshalb will und werde ich für sie eintreten. Deshalb möchte ich von unserem Coronaalltag in unserer Familie erzählen. Deshalb habe ich den Hashtag #coronaelternerzaehlen gestern ins Leben gerufen, um Menschen einen Einblick in die derzeitigen Herausforderungen zu gewähren. Vielleicht schafft das mehr Verständnis füreinander. Vielleicht hören wir dann einander besser zu. Vielleicht bekommen die Schwächsten dann eine ebenso laute Stimme wie finanzstarke Wirtschaftszweige. Vielleicht lesen die entscheidenden Personen davon. Vielleicht können wir dann alle gemeinsam durch diese Krise gehen.

Ich lade euch ein, unter diesem Hashtag auch von eurem Alltag zu erzählen. Es geht nicht um meckern, jammern, schimpfen. Denn es gibt für uns auch wunderschöne Momente, die es ohne Corona vielleicht nicht gegeben hätte. Doch es geht um das gegenseitige Verständnis, damit wir besser aufeinander hören und Rücksicht nehmen. Vielleicht können wir uns auch gegenseitig unterstützen. Hinterlasst eure Gedanken und Ideen dazu in den Kommentaren und/oder schreibt selbst in den Sozialen Medien, auf euren Plattformen unter dem Hashtag #coronaelternerzaehlen von eurem Coronaalltag.

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